Burg Vlatten lädt zu Festen und Veranstaltungen ein

Nach aufwendigen Sanierungsarbeiten: Der Veranstaltungssaal und eine Ferienwohnung sind fertiggestellt

„Wir sind startklar“, schmunzelt Oliver von Gagern. Der Burgherr von Vlatten schaut zufrieden in seinen blank gewienerten Veranstaltungsraum für rund 40 Personen, der sich mit großen Fenstern zum malerischen Burgpark öffnet. „Am Sonntag wird hier ein 80-jähriger Geburtstag gefeiert. Der Raum mit der 250 Jahre alten Stuckdecke kann künftig für Familienfeste, Firmenevents oder Veranstaltungen gemietet werden. Wir selbst denken daran, hier Lesungen oder Kleinkunstabende anzubieten.“

Mit der Fertigstellung des kleinen Saals haben Lydia und Oliver von Gagern eine Hürde ihrer umfangreichen Restaurierungsarbeiten genommen. Das Großprojekt bestimmt seit Anfang 2021 das Leben des Ehepaars. Im alten Herrenhaus wurde das Treppenhaus komplett erneuert: Eine lindgrüne Wand wird nun von einer Jugendstilgirlande verziert, die eigens nach alten, unter dem Putz entdeckten Mustern rekonstruiert worden ist. „Mein Ururgroßvater Ernst von Gagern hatte eine Vorliebe für Jugendstil. In seinem Sinne haben wir vieles restauriert“, sagt Oliver von Gagern.

Mit Liebe zum Detail wurde auch eine Wohnung restauriert, die nun als Feriendomizil angeboten wird. Auf gut 70 Quadratmetern kann der Gast in drei großzügigen Räumen Burggefühl atmen. Die Möblierung setzt Kontraste zwischen modernen Elementen und antiken Einrichtungsgegenständen.

Damit sind zwei wichtige Teilabschnitte fertig gestellt. Aber noch immer bleibt viel zu tun: Mit Hilfe von 50-prozentigen Zuschüssen des Landes können auch historische Elemente erneuert werden: So wurde das Kleeblattfries aus rotem Sandstein am Wohnturm ergänzt, um darauf zwei fehlende Zinnen setzen zu können. Und auch die Außenfassade, das Dach und der Zinnenkranz des mittelalterlichen Rundturms im Park sind frisch restauriert worden.

Nicht immer lief alles rund bei den Sanierungsarbeiten: „Wir haben umfangreiche Brandschutzauflagen zu erfüllen, die die ohnehin hohen Kosten weiter in die Höhe treiben“, sagt Oliver von Gagern. „Aber insgesamt sind wir mit dem Tempo und der Qualität der Sanierungs- und Wiederherstellungsarbeiten sehr zufrieden. Das gilt auch für die gute Zusammenarbeit mit den verschiedenen Akteuren aus der Denkmalpflege.“

Viel Arbeit über Monate hinweg. „Wir konnten überwiegend Vlattener und andere lokale Handwerker engagieren, die wir zum Teil schon seit Jahrzehnten kennen“, sagt der Burgherr. „Auf den Rat unseres Architekten und Denkmalexperten Johannes Prickarz setzen wir besonders viel. Wir verwenden zum Beispiel sein Rezept für ein historisches Mörtelgemisch aus Sand, Kalk und Splitt.“

Und auch an den Naturschutz wird gedacht: Da mit der Fassadensanierung viele bisherige Schlupflöcher für Vögel verschwinden, werden in Zusammenarbeit mit Lutz Dahlbeck und Sarah Hartmann von der „Biologischen Station“ zahlreiche Nistkästen für Dohlen, Mauersegler, Turmfalken und Spatzen am Zinnenkranz des 15 Meter hohen Wohnturmes angebracht. Außerdem soll sogar versucht werden, eine Schleiereule anzusiedeln.

Kurzum, Mensch und Tier sollen sich in der frisch restaurierten Burg Vlatten wohl fühlen. Ein altes Gebäude ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht und erwartet die ersten Gäste.         ush

Der aufwendig renovierte Festsaal eignet sich für Feste, Lesungen und kleine Konzerte.

Die Ferienwohnung bietet alles, was für einen angenehmen Aufenthalt nötig ist.

Zwei Schlafzimmer bieten ideale Übernachtungsmöglichkeiten.

Auch der Rundturm im Park wurde aufwendig restauriert.