Das „Blitzkrock“ schützt vor Unwettern

Kräuterweihe 2019 – aus dem Gemeideleben 

Auch in diesem Jahr wanderten Gemeindemitglieder rund um den Lützenberg, um Kräuter und Feldblumen zu sammeln, die in der St. Michaels-Kapelle geweiht wurden. Kevin Küpper erläutert den schönen alten Brauch:

Mit der Kräuterweihe hat sich ein altes Brauchtum in unserem Dorf erhalten, das in anderen Regionen Deutschlands, gerade in den Städten, wieder in Mode kommt und neu entdeckt wird: die Kräuterweihe.

„Gegen jedes Unheil ist ein Kraut gewachsen“, sagt der Volksmund. An Maria Himmelfahrt wird uns dieses alte Sprichwort wieder vor Augen geführt. Denn seit Jahrhunderten werden an diesem Tag Kräuter und Feldblumen gesegnet. Jede einzelne Pflanze hat eine Bedeutung und einen Nutzen. Die Kräuter werden zu Bündeln geschnürt und gesegnet in der guten Stube, am Hauseingang oder im Stall aufbewahrt.

Die zuvor gesammelten Kräuter werden zum Altar gebracht und gesegnet. Foto: Kevin Küpper

Es gab und (man munkelt) es gibt noch heute Vlattener, die bei schweren Unwettern einen Zweig „Blitzkrock“ (Johanniskraut) aus dem getrockneten Kräuterstrauß brechen und im Kamin verbrennen. Auch viele andere Anwendungen sind überliefert für die schier unzähligen und mit Eigennamen behafteten Gewächse.

In diesem Jahr konnte die Gemeinde bereits am Vorabend des 15. August die hl. Messe zum Hochfest Mariae Himmelfahrt in der St. Michaels-Kapelle feiern. Zahlreiche Vlattener haben den Weg auf den Lützenberg nicht gescheut und ihre gebundenen Kräutersträuße, die „Kröckwöische“, vor dem Altar abgelegt, wo sie am Ende der Liturgie gesegnet wurden.

Für den Ursprung der Kräutersegnung gibt es verschiedene Erklärungen. Eine ist die Überlieferung, die uns der Hl. Kirchenvater Johannes von Damaskus hinterlassen hat: Beim Öffnen des Grabes der Gottesmutter fand man keinen Leichnam. Das einzige,  was den anwesenden Aposteln auffiel, war ein alles durchströmender Blumenduft.

Pfarrer Wecker betonte diese Begebenheit in seiner Predigt zum Fest und ermahnte, den österlichen Charakter der Aufnahme Mariens in den Himmel nicht zu vergessen. Denn Maria ist ein Beispiel für den Heilsplan Gottes, sie kann uns im Leben als Beispiel dienen und ist bereits als mütterliche Fürsprecherin in den Himmel vorausgegangen.

Im Anschluss an die hl. Messe konnten die Besucher noch einige Gespräche bei Brot und Getränken führen und den Abend mit dieser kleinen Agape-Feier ausklingen lassen, für deren Gelingen Hanni Latz und Gerta Kirfel ein Dank gilt.

Nach der hl. Messe gab es noch eine Agape-Feier.                                      Foto: Hanni Latz

Krautwisch

Theo Schäfer erwähnt in seinem Buch über unser Heimatdorf zwei weitere mögliche Wurzeln des Brauchtums rund um den Krautwisch. (Die alte Bezeichnung „Wisch“ und Wischkraut für Beifuß ist namensgebend in der Eifel und im moselfränkischen-Sprachraum.)

Am 15. August, am Fest der „Aufnahme Mariens in den Himmel“, bringen die Kinder ihren „Kröckwöisch“ zur Kirche, um ihn segnen zu lassen. Er erhält bis um 70 verschiedene Kräuter und Blumen in einem Strauß. Zu Hause bekommt er einen Ehrenplatz. Man schmückt damit das Kreuz und steckt einzelne Zweige des Krautwischs ins Mauerwerk von Stall und Scheune.

Dieser Brauch hat zwei Wurzeln:

  •  Er steht in Beziehung zu Maria. Sie wird in Gebeten oft mit Blumen, z.B. mit einer Rose oder einer Lilie, verglichen, wenn ihre Tugenden gepriesen werden sollen. Deshalb hieß das Fest an manchen Orten „Maria Krautweihe“.
  • Die Kirche hat bei der Segnung jedoch zunächst die im August anstehende Ernte im Blick. Im Krautwisch segnet sie die für die Menschen notwendigen Früchte der Erde.

(Aus Theo Schäfer, Vlatten – ein Dorf mit großer Geschichte, 1979)

Die Gemeindemitglieder setzten sich nach der Kräuterweihe mit Pfarrer Wecker vor der St. Michael-Kapelle bei Brot und Getränken zusammen.                                   Foto: Kevin Küpper