Der „Musikverein 1909 Vlatten“ ist eine Institution

Als Kaiser Wilhelm noch lebte, hatte Lehrer Schmitz eine Idee, die noch heute Anhänger findet.   

Sie tragen schmucke Uniformen, sind selbst beim Marsch durchs Dorf in guter Harmonie und haben sich im weiten Umkreis mit „Tröten“ einen Namen gemacht. Das Wort ist keineswegs negativ gemeint. So beschreiben die Aktiven im „Musikverein 1909 Vlatten“ selbst schmunzelnd ihre Blasmusik. Im Dorf sind sie eine Institution, und das bereits seit 110 Jahren.

Der Musikverein im Jahr 2014

Ein Blick in den Terminkalender zeigt die ganze Bandbreite der 21 aktiven Musiker. Sie spielen bei Dorffesten, zur Wallfahrt, zu Kirmes- und Karnevalsfeiern, sie bereichern Gottesdienste ebenso wie Beerdigungen und laden darüber hinaus zu eigenen Veranstaltungen ein. Die Kleinkirmes wäre ohne den Musikverein undenkbar, und auch ein Stück Bayern haben sie nach Vlatten gebracht: Am 17. August findet zum achten Mal ein Bayrischer Abend statt – mit den „Schilehrern“ aus dem Stubaital.

Besonders stimmungsvoll ist das abendliche Spiel zur Adventszeit. Schon von weitem hören die Vlattener dann die Blechbläser und kommen aus ihren Häusern, um gerührt zu lauschen: „Stille Nacht, Heilige Nacht“: Beim Spiel der Musiker, die an vielen Stellen des Dorfs anhalten, bekommt mancher Zuhörer eine Gänsehaut.

Doch jetzt im Sommer gilt es, am 18. August das stolze Jubiläum zu feiern mit einem Früh- und Spätschoppen an der Jugendhalle, bei dem auch die befreundeten Musikvereine ihre Aufwartung machen.

Und da lohnt ein Blick zurück auf die Anfänge des Vereins in Wilhelminischer Zeit. Lehrer Schmitz hatte 1909 die Idee, einen Musikverein zu gründen. Und er fand in Anton Küpper, Matthias Leyendecker, Josef Jülich, Anton Oeckerath, Josef Latz, Josef Bildstein, Johann Züll, Peter Hoffmann, Dionys Schmitz, Heinrich Arentz, Edmund Jülich, Josef Mauel, Peter Leyendecker und Hubert Fischer die Gründungsmitglieder.

Der Dirigent nannte sich Pfeifer, und er muss wirklich beseelt von seiner Aufgabe gewesen sein, denn er kam zu Fuß aus Lövenich nach Vlatten und übernachtete im Dorf, um am nächsten Tag zu Fuß wieder zurück zu gehen. Im 1. Weltkrieg wurden fast alle Mitglieder zu den Waffen gerufen, und einige kehrten nicht mehr heim. Es folgten wirre Jahre, aber der Verein setzte alles daran, die Arbeit fortzuführen, auch dann, als er im 2. Weltkrieg wieder Gefallene beklagen musste. Hauptlehrer Klinkhammer scheute keine Mühe: Er ging sogar zu den einzelnen Mitgliedern ins Haus, um beim Üben zu helfen.

An solche Schwierigkeiten denken die Aktiven, die heute von Andreas Wilden dirigiert werden, selten. Sie freuen sich, ihr Jubiläum ein ganzes Sommer-Wochenende lang feiern zu können. Und wenn es eine Sorge gibt im Verein, dann gilt sie dem fehlenden Nachwuchs. Die Musiker würden sich über weitere aktive Mitglieder freuen. Kinder, ältere Mitbürger mit oder ohne Musikkenntnisse, alle sind willkommen. Der Verein hilft beim Unterricht und vermittelt in Zusammenarbeit mit der Musikschule Lehrer.

Bleibt zu hoffen, dass dieser Ruf erhört wird, denn das „Tröten“ darf nicht leiser werden. Es gehört einfach zum Vlattener Dorfleben.                                     ush

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Sportfest 1957

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