Der Vlattener Erich Claßen ist neuer Leiter des Amtes für Bodendenkmalpflege in Bonn und hofft auf Unterstützung der Bevölkerung

Wenn Dr. Erich Claßen (45) an seine Heimat Vlatten denkt, sieht er nicht nur seine Familie, Kirche, Bauernhäuser, Felder und Hügel vor seinem geistigen Auge, sondern er kann meistens auch die „Archäologenbrille“ nicht ablegen: Auch in Vlatten und seiner Umgebung sind noch einige Funde zu vermuten. Und auch für sie ist Erich Claßen verantwortlich.

Anfang des Jahres hat er die Leitung des Amtes für Bodendenkmalpflege beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) in Bonn übernommen, und er ist damit der Verwalter von rund 40.000 Fundstellen im gesamten Rheinland. 250 bis 300 Grabungen im Jahr werden von seinem Amt überwacht, etwa die gleiche Anzahl von Untersuchungen führt das Amt jährlich selber durch. Und wenn die Vlattener Bevölkerung mithilft, könnten es bald rund ums Dorf noch mehr sein.

Kartenstudium in der ägyptischen Wüste.

In die Wiege gelegt worden ist Claßen das Interesse für Archäologie nicht. Der Vater war Landwirt und Fuhrunternehmer, und in der Familie stand nur eines fest: Die Kinder sollten vernünftig lernen. Die Liebe zur Geschichte weckte ein Lehrer auf dem Zülpicher Gymnasium und führte ihn zum Studium der Ur- und Frühgeschichte, der Klassischen und Provinzialrömischen Archäologie und der Geologie in Köln. Die Promotionsschrift „Siedlungs-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte einer bandkeramischen Siedlungsgruppe im Rheinland“ wurde mit zwei Preisen ausgezeichnet.

Es folgten Grabungen in Ägypten und Namibia, dann die Arbeit in Sachsen-Anhalt und Bayern, bevor Claßen 2013 zum Leiter der Außenstelle Overath des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege ernannt wurde. Anfang 2019 konnte er wieder eine Sprosse  höher auf der Karriereleiter steigen und zog in sein Zentralbüro in Bonn ein, von wo aus auch vier Außenstellen, darunter die Einrichtung in Wollersheim, geleitet werden.

Wird Dr. Claßen nun das Augenmerk besonders deutlich auf Vlatten legen? Im Dorf wird ja gerne von der geheimnisvollen Königspfalz aus dem 9. Jahrhundert erzählt. Drei Aufenthalte karolingischer Könige in Vlattten sind urkundlich belegt.

Allen Hoffnungen, dass die Forschung in diesem Bereich weiter geht, muss Erich Claßen eine Absage erteilen: „In dieser Hinsicht sind unsere Möglichkeiten ausgeschöpft, ohne Zerstörungen einen möglichen Standort zu finden. Die geomantischen Untersuchungen vor einigen Jahren sind ja leider ohne eindeutiges Ergebnis geblieben. Die Bedeutung Vlattens für die Archäologie lässt sich nicht allgemein festlegen. Es gibt nicht nur einen Fundort, sondern für die verschiedenen Perioden unterschiedliche Plätze.“

Damit soll nicht gesagt sein, dass das Gebiet rund um Vlatten uninteressant wäre. Im Gegenteil: „Interessant wäre eine Aufarbeitung der römischen Fundstellen in der Gemarkung und eine verbesserte Datenlage zur Merowingerzeit, weil es nicht immer sicher ist, wo die bereits bekannten Funde entdeckt worden sind.“

Arbeit bei einer Grabung im letzten Herbst bei Rommerskirchen.

In diesem Zusammenhang bittet Dr. Claßen auch die Bevölkerung um Mithilfe: „Wir können nur hoffen, dass aufmerksame Vlattener archäologische Funde unserer Außenstelle in Wollersheim melden. Es tut nicht weh, wenn wir kommen, um einen Teil unserer Ortsgeschichte zu sichern“, sagt er mit einem Schmunzeln.

Wer also ein Fundstück in Feld, Flur und beim Hausbau findet, sollte die Experten rufen. In Vlatten ist das ja besonders einfach: Die Leiterin der Außenstelle Wollersheim, Petra Tutlies, wohnt hier im Dorf und hat immer ein offenes Ohr für Hobby-Archäologen, die helfen können, einen Teil der Vergangenheit zu erhellen.                                           ush

Der Schichtaufbau eines Walls im bayerischen Manching wird erläutert.