“Hospiz macht Schule” in der GGS Heimbach

Unser Foto zeigt die stellvertretende Vorsitzende der Hospizbewegung Düren-Jülich e.V., Gerda Graf (vierte von links), bei der Überreichung der Spende an den Rektor der GGS Heimbach, Joachim Dunkel. Vorne im Bild der Vorsitzende des Pfarreirats der St. Dionysius-Gemeinde Vlatten, Kevin Küpper, mit Vertretern der Offenen Ganztagsschule.

Die stellvertretende Vorsitzende der Hospizbewegung Düren-Jülich e.V., Gerda Graf,  hat dem Rektor der Gemeinschaftsgrundschule Heimbach (GGS), Joachim Dunkel, eine Spende in Höhe von rund 750 Euro überreicht. Die GGS Heimbach wird das Geld zum Aufbau einer Ackerschule nutzen, die das Thema „Werden und Vergehen in der Natur“  für die Kinder eindringlich erfahrbar macht. Unterstützt wurde das Projekt von der Vlattener St. Dionysius Gemeinde, die der Hospizbewegung die Kollekte der Frauengottesdienste gespendet hat. Damit kann eine Zusammenarbeit fortgesetzt werden, die 2018 mit der Projektwoche „Hospiz macht Schule“ begonnen hat. In den nächsten Monaten soll eine weitere Projektwoche folgen.   

 Fragen zum Thema Krankheit, Leid, Sterben und Verlust, aber auch Gedanken über das eigene Leben und persönliche Haltungen beschäftigen uns in dieser Zeit der weltweiten Pandemie besonders intensiv. Auch Kinder im Grundschulalter werden mehr denn je damit konfrontiert und brauchen Gesprächspartnerinnen und -partner, die ihnen zur Seite stehen. Doch nicht selten fühlen sich Erwachsene unsicher, wie sie Kindern in Bezug auf solche Themen begegnen sollen. Diese tabuisierten Fragestellungen macht das Projekt „Hospiz macht Schule“ zum Thema. Es wurde vor 15 Jahren durch die Hospizbewegung Düren-Jülich e.V. innitiiert und ist mittlerweile  bundesweit für 3. und 4. Schulklassen angeboten worden.

2018 durften die Schülerinnen und Schüler der damaligen Klasse 3b der GGS Schönblick solch eine Projektwoche miterleben. Fünf Tage lang standen ungewöhnliche Schwerpunkte auf dem Stundenplan – jeden Tag ein anderer: Werden und Vergehen, Krankheit und Leid, Sterben und Tod, Vom Traurig-Sein, Trost und Trösten. Fünf Ehrenamtlerinnen, die speziell für die Durchführung dieser durchdachten und uneingeschränkt stimmig aufgebauten Projektwochen fachlich qualifiziert sind, führten die Schülerinnen und Schüler und ihre Lehrerin durch die Tage. Zusätzlich stand ein Arzt den Kindern an einem der Tage Rede und Antwort.

Schnell konnten die Ehrenamtlerinnen eine besondere Atmosphäre schaffen, die es den Kindern im geschützten Rahmen ermöglichte, ihre Themen und Fragestellungen einzubringen. Die  Kinder merkten, dass ihnen und ihren Gefühlen Raum gegeben wurde, dass sie ernst genommen wurden und auch, dass sie nicht alleine mit ihren Gedanken waren. Begeistert und aufgeschlossen kamen sie jeden Tag zur Schule. Im Wechsel aus gemeinsamem Tun in der Klassengemeinschaft und der Auseinandersetzung in Kleingruppen wurden Erfahrungen der Kinder gesammelt und ausgetauscht, Geschichten gehört, gemalt, gepflanzt, Bilder betrachtet, mit Farben und Musik gearbeitet, Filmausschnitte gesehen und Pantomimen gespielt.

Durch eine Mappe und kleinere Hausaufgaben erreichte auch die Eltern die Thematik. Zudem präsentierten die Kinder ihre Ergebnisse am letzten Tag bei einem Abschlussfest. Im lockeren Austausch wurde deutlich: Alle Beteiligten empfanden die offene Auseinandersetzung mit Themen, die ansonsten viel zu häufig zur Seite geschoben werden, als bereichernd. So steht eines fest: Diese Schülerinnen und Schüler, ihre Eltern und ihre Lehrerin haben etwas erlebt, das es ihnen leichter macht, ihre Gedanken und Sorgen zur momentanen Situation nicht nur anzunehmen, sondern auch zu teilen. Und das wiederum wird sowohl ihnen selbst zu Gute kommen, als auch den Menschen in ihrem Umfeld.

Die Hospizbewegung Düren-Jülich e.V. und die GGS Heimbach haben das große Glück, dass das Projekt “Hospiz macht Schule” durch eine Kollekte der katholischen Kirchengemeinde Vlatten gefördert wird. Der Hintergrund: Katholisch sein bedeutet, auch über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen. In Vlatten geschieht dies durch Feste, deren Erlös jährlich an caritative Projekte fließt oder durch eine Kollekte, für die jeder seinen individuellen Beitrag leistet.

Und so kam es zur jetzigen Spende: In einer Sitzung im Juni 2019 konnte der Pfarreirat einige Vorstandsmitglieder der „Hospizbewegung Düren-Jülich“ begrüßen. Damals gaben Gerda Graf und Ulla von Gagern einen detaillierten und mit eigenen Erfahrungen bereicherten Einblick in die Arbeit der Hospizbewegung. Vor allem das Projekt „Hospiz macht Schule“, das Kinder in einer Projektwoche unvoreingenommen und offen mit dem Thema Tod und Sterben in Berührung kommen lässt, begeisterte die Zuhörer.

Die Gemeinde ließ daraufhin die Kollekte der Frauengottesdienste (eine Summe von rund 1.500€) zu gleichen Teilen der „Hospizbewegung Düren-Jülich“ und der Vereinigung „Ambulanter Kinder- und Jugendhospizdienst Region Aachen“ zufließen. Damit wurde ein Beitrag geleistet, schwerkranken Kindern und Jugendlichen eine professionelle Sterbebegleitung zu ermöglichen und Kinder im bewussten Umgang mit dem Thema Tod und Sterben zu unterrichten.

Die verantwortlichen der Kirchengemeinde freuen sich vor allen Dingen darüber, dass die GGS Heimbach dieses Angebot angenommen hatte und dadurch den Kindern ein unvoreingenommenes Bewusstsein und eine Begleitung zu Themen wie Tod und Trauer ermöglicht hat. Da viele Menschen nicht mehr zuhause oder im Kreis der Familien sterben, fehlt den Kindern oft die Erfahrung einer liebevollen Begleitung des Sterbenden und der Umgang mit persönlicher Trauerbewältigung.

Dies ist ein Grund, weshalb der Pfarreirat das Projekt „Hospiz macht Schule“ besonders gerne fördert und unterstützt. Denn Sterben ist nichts Abstraktes und kein Prozess, vor dem Kinder Angst haben sollten. Sterben und Sterbebegleitung gehören viel mehr in die Gesellschaft, und Kinder können durch ihre Neugier noch ganz anders an das Thema herantreten und ihre Fragen durch geschulte Projektmitarbeiterinnen und Mitarbeiter unbefangen beantworten lassen. Dies ist auch eine Entlastung für viele Eltern, die oft nicht wissen, wie sie dieses Thema mit ihrem Kind behandeln sollen.

Aufgrund der guten Erfahrungen wollen die GGS Heimbach und die Hospizbewegung Düren-Jülich e.V.  sobald wie möglich eine weitere Projektwoche zum Thema „Hospiz macht Schule“ an der GGS Heimbach veranstalten.