Mächtige Rotbuche von Riesenporling befallen

Die mächtige, mehr als 100 Jahre alte Rotbuche im Burgpark muss gefällt werden. Fotos: Ulrike Schwieren-Höger

Im Vlattener Burgpark wird ein Naturdenkmal gefällt

Wissen Sie, was 1908 passiert ist? Der Pionier Hans Grade faszinierte seine Zeitgenossen mit dem ersten Motorflug, die Firma “Maggi” brachte den ersten Brühwürfel auf den Markt und in Vlatten ließ Generalmajor Freiherr Ernst von Gagern den Wohnturm der Vlattener Burg bauen.

In dieser Zeit muss von Gagern auch eine Rotbuche im Park gepflanzt haben. „Ich schätze ihr Alter auf 100 bis 150 Jahre“, sagt Lothar Gerhards, der im Kreis Düren die als Naturdenkmäler geschützten Bäume betreut. Unter der Nummer 2.3-2 ist die mächtige Rotbuche im Heimbacher Landschaftsplan zu finden. Allerdings: Ihre Tage sind gezählt: Wie auch der Laie unschwer erkennt, wuchert der Riesenporling an ihrem mächtigen Stamm, ein  Pilz, der sich aus zungenförmigen Hüten zusammensetzt, die dachziegelartig übereinander liegen, und den Stamm fest umklammern.

Dieser Befall ist für die Rotbuche ein Todesurteil: „Der Pilz frisst sich sozusagen in die Halteseile der tief reichenden Wurzeln und nimmt dem Baum die Stabilität. Zunächst ist nicht erkennbar, dass der Baum krank ist, aber im Erdinneren breitet sich Verderben aus. Die Rotbuche steht an einer vielbefahrenen Straße, und es bleibt uns nichts anderes übrig, als zu fällen“, erklärt Lothar Gerhards.

„Wir bedauern die Maßnahme sehr. Das ist einer der wirklich alten, wertvollen Bäume im Park“, sagt Oliver von Gagern, der im Juli mit seiner Frau Lydia Burg und Park von der Erbengemeinschaft ersteigert hat. „Aber wir sehen ein, dass es zu gefährlich ist, den Dingen ihren Lauf zu lassen.“ Zum Glück ist der ebenso alte Nachbarbaum, ebenfalls eine Rotbuche, wahrscheinlich nicht befallen. Zwar hat sich in ihren Stamm ein Brandkrustenpilz eingefressen, aber dieser Pilz ist nicht so aggressiv und wird dem Baum hoffentlich noch eine jahrzehntelange Lebenszeit gewähren. Aber damit er ohne den Schutz seines Nachbarn stabil auch bei starkem Wind stehen bleibt, muss er drastisch zurückgesetzt werden – in der Hoffnung, dass er das übersteht…

Anders sieht es bei der vom Riesenporling befallenen Rotbuche aus: „Wenn ich solch einen alten Recken sehe, tut es mir unendlich leid, dass er fallen muss“, sagt Lothar Gerhards, „es kann sein, dass der Baum Kriegsschäden erlitten hat oder dass bei Straßen- oder Kanalarbeiten Wurzeln vor vielen Jahrzehnten verletzt worden sind, wodurch der Pilz eindringen konnte. Wir wissen es nicht. Aber sicher ist, dass der Baum den Kampf mit dem Pilz verloren hat und wir ihn im Januar oder Februar 2021 fällen müssen, bevor die Rotbuche wieder neue Blätter ansetzen kann, die das Risiko vergrößern, dass ein heftiger Sturm sie  umlegt.“                                           ush

Oliver von Gagern zeigt auf den Riesenporling, der das Wurzelwerk angreift.

Unter der Nummer 2.3-2 ist die Rotbuche im Landschaftsplan Heimbach als Naturdenkmal verzeichnet.

Der Riesenporling vernichtet die tiefen Wurzeln der Rotbuche und nimmt dem Baum den Halt.