Archäologie zum Anfassen: Buntes Programm beim „Tag der offenen Tür“ am Sonntag, 18. Juni, 10-18 Uhr, in Wollersheim

Einen intensiven Blick in die Vorzeit verspricht Dr. Petra Tutlies, Leiterin der LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege in Nideggen. Nach Jahren ohne Öffentlichkeitsarbeit, nach Pandemie und Hochwasser freut sie sich, am 18. Juni endlich wieder Gäste zum 22. Stiftshoffest begrüßen zu können: „Wir haben ein buntes Programm für Groß und Klein zusammengestellt.“

Die in Vlatten lebende Archäologin verspricht „Archäologie zum Anfassen“: Die Besucher können zuschauen, wie Mitglieder des Grabungsteams vorgeschichtliche Urnen aus der Bronze- oder Eisenzeit (ca. 2000 v. Chr. Bis um Christi Geburt) freilegen. Mit einem Spatel wird vorsichtig Schicht um Schicht abgeschabt, zum Vorschein kommen Knochenfragmente, sogenannter „Leichenbrand“. Aus diesen sterblichen Überresten kann mittlerweile die DNA entschlüsselt werden, was völlig neue Erkenntnisse über unsere Vorfahren ermöglicht.

In 14 Themenbereichen erfahren die Gäste zudem Wissenswertes über die archäologische Arbeit der vergangenen Jahre: „Die wohl spektakulärsten Funde waren die verkohlten Getreidereste vom Alten Burgberg bei Euskirchen-Kreuzweingarten, denn sie schreiben Kulturgeschichte“, sagt Petra Tutlies. „Damit können wir belegen, dass die Errichtung und Nutzung des Ringwalls etwas früher datiert werden muss als bisher angenommen.“ Zu sehen sind auch Keramik-Funde, die nahe der Embkener Kirche freigelegt worden sind und die eine Ansiedlung im 6. und 7. Jahrhundert belegen.

Zudem wird auf dem gesamten Gelände historisches Handwerk gezeigt: Die Herstellung einer Fachwerkwand steht ebenso im Fokus wie das Flechten mit Ruten. Töpfer und Schmied zeigen ihr Können und laden zu Gesprächen ein.

Unterhaltsam: Keltische Siedler, römische Reiter und mittelalterliche Landsknechte sorgen für buntes Treiben.

Und auch an die jüngsten Besucher ist gedacht: Mithilfe von Archäologin Dr. Ulrike Müssemeier dürfen sie Tonkugeln in Tischtennisballgröße formen, die – mit Steinchen gefüllt –  rasseln und als Erinnerung ans Stifthoffest mit nach Hause genommen werden können. Der Hintergrund: Tonkugeln dieser Art sind in Gräbern der mittleren Eisenzeit gefunden worden. Sie dienten wahrscheinlich als rituelle Gegenstände.

Zudem dürfen die kleinen Besucher einen Dinosaurier im Stiftshof (oben) mit weiteren Lehmschichten bepacken und eine Ausgrabung im Sandkasten erleben.  Textilien können gefilzt, Speerschleudern und Bogenschießen ausprobiert werden. Wer will, darf auch eine römische Soldatenrüstung anprobieren und der Märchenerzählerin Berenike Wannenmacher lauschen. Nicht zuletzt können die Gäste in einer Tastbox Fundstücke ertasten und erraten, was es ist.

Kurzum: Archäologie zum Anfassen, Spiel, Spaß und Staunen stehen im Mittelpunkt des diesjährigen Stiftshoffest in Wollersheim.                                         ush

Der Grabungsarbeiter Ossamah Ayash (rechts) schabt behutsam eine Urne aus dem Gräberfeld des heutigen Tagebaus Inden frei.

Die Leiterin des LVR-Amtes für Bodenpflege in Wollersheim, Dr. Petra Tutlies, präsentiert archäologische Funde der letzten Jahre.

Archäologin Dr. Ulrike Müssemeier zeigt Tonkugeln, die in Gräbern gefunden wurden. Beim Stiftshoffest werden die Kinder eingeladen, selbst eine Rassel zu formen, die sie anschließend mit nachhause nehmen dürfen.